Am 22. Mai vertrat Dr. Susanne Greiter die GS-Foundation bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Gendersensibles Grenzmanagement und inklusive Sicherheit: operative Herausforderungen, bewährte Praktiken und europäische Standards“ in Chișinău, Moldau.
Eine zentrale Botschaft ihres Beitrags lautete, dass Sicherheit vor der Grenze beginnt, an der Grenze auf die Probe gestellt wird und über die Grenze hinaus fortgesetzt werden muss. Diese Perspektive spiegelt das wachsende Verständnis wider, dass ein effektives Grenzmanagement mehr erfordert als nur Infrastruktur, Verfahren und Kontrollmechanismen.
Grenzmanagement jenseits von Kontrolle und Verfahren
Heute umfasst das integrierte Grenzmanagement ein weitaus breiteres Spektrum an Aufgaben als die traditionelle Grenzkontrolle allein. Grenzbehörden gehören oft zu den ersten Institutionen, die mit Menschen in besonders prekären Situationen in Kontakt kommen, darunter Konfliktflüchtlinge, Opfer von Menschenhandel, Überlebende häuslicher Gewalt, gefährdete Kinder und Personen mit erheblichen psychischen Belastungen.
Gleichzeitig müssen sich die Grenzbehörden mit Herausforderungen auseinandersetzen, die mit organisierter Kriminalität, Schleusernetzwerken, Ausbeutung, irregulären Migrationsbewegungen und anderen Formen grenzüberschreitender Kriminalität verbunden sind. Die Abwägung zwischen Sicherheitsanforderungen und dem Schutz der Grundrechte bleibt daher eine zentrale operative Herausforderung.
Warum inklusive und geschlechtssensible Ansätze wichtig sind
Während der Diskussion betonte Dr. Greiter, dass geschlechtssensible und inklusive Ansätze die Grenzsicherheit nicht schwächen. Im Gegenteil, sie stärken sie.
Das Verständnis individueller Schutzbedürftigkeiten und die Anerkennung unterschiedlicher Schutzbedürfnisse können das Situationsbewusstsein verbessern und die frühzeitige Erkennung von Risiken unterstützen. Solche Ansätze erleichtern zudem eine effektivere Weitervermittlung an relevante Hilfsdienste und tragen zu einem stärkeren Vertrauen zwischen den Institutionen und den Menschen bei, denen sie dienen.
Vertrauen, frühzeitige Erkennung und Zusammenarbeit sind keine Nebensächlichkeiten. Sie sind operative Instrumente, die den Behörden helfen, effektiver auf komplexe Situationen an und um die Grenzen herum zu reagieren.
Austausch bewährter Praktiken aus Deutschland
Die Teilnehmer zeigten besonderes Interesse an praktischen Beispielen und Erfahrungen aus Deutschland. Ausgehend von Erfahrungen aus der kommunalen Integrations- und Präventionsarbeit hob Dr. Greiter hervor, wie die Zusammenarbeit zwischen Polizeidiensten, lokalen Behörden, Schulen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Migrantengemeinschaften dazu beitragen kann, Risiken frühzeitig zu erkennen und eine Eskalation zu verhindern.
Diese Erfahrungen zeigen, dass wirksame Prävention oft lange bevor ein Sicherheitsproblem sichtbar wird, beginnt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren kann helfen, Schwachstellen zu beheben, die Widerstandsfähigkeit zu stärken und die allgemeine Sicherheit in der Gemeinschaft zu verbessern.
Den Menschen hinter dem Dokument sehen
Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen aus der Diskussion war, wie wichtig es ist, anzuerkennen, dass Menschen, die Grenzen überqueren, nicht einfach nur Fälle, Ströme oder Kategorien sind. Es sind Individuen mit persönlicher Geschichte, Ressourcen, Schwachstellen und Schutzbedürfnissen.
Professionelle Verfahren und klare Standards bleiben wesentliche Bestandteile eines modernen Grenzmanagements. Diese Verfahren werden jedoch effektiver, wenn die Behörden auch in der Lage sind, den Menschen hinter dem Dokument zu sehen und zu verstehen.
Inklusive Sicherheit als operativer Beitrag
Für die GS-Foundation ist inklusive Sicherheit kein weiches Zusatzelement des Grenzmanagements. Sie ist ein operativer Beitrag zu einer effektiveren, vertrauenswürdigen und rechtsbasierten Sicherheitspolitik.
Die Diskussionen in Chișinău bestätigten erneut, dass inklusive und geschlechtssensible Ansätze die institutionelle Effektivität stärken und gleichzeitig den Schutz schutzbedürftiger Personen verbessern können. Auf diese Weise tragen sie gleichermaßen zu sichereren Grenzen und stärkeren Gesellschaften bei.
